So wie Google jetzt die Aktivität eines Unternehmens in sozialen Medien berücksichtigt, so verändert sich natürlich auch unsere Empfehlungskultur im realen Leben.
Schauen wir uns dazu doch einfach mal an, wie Empfehlungen aktuell “funktionieren”: Sie wollen ihr Haus renovieren, bzw. modernisieren und jetzt mit dem Anstrich der Außenfront beginnen.
Um den richtigen Handwerker zu finden, haben Sie nun mehrere Möglichkeiten:
1) Sie fragen in der Nachbarschaft, im Freundeskreis oder bei anderen, Ihnen bekannten Handwerkern, nach und lassen sich einen Malerbetrieb empfehlen. Meist reichen uns hierbei 1-2 Empfehlungen aus, um eine Entscheidung treffen zu können.
oder
2) Sie schauen in vers. Adressquellen (z. B. Gelbe Seiten) nach, welche Handwerker es in Ihrer Region gibt und lassen sich von jedem einzelnen Malerbetrieb ein Angebot schreiben.
Bisher war es eher schwierig, den Punkt 1 schnell und wirklich effektiv umzusetzen, da es sich meist ergeben musste, die entsprechenden Personen anzutreffen (z. B. beim Sport, bei der Arbeit, etc.). Heute hingegen ist es durch die sozialen Medien äußerst schnell und effektiv, sich durch das eigene Netzwerk Empfehlungen geben zu lassen. So reicht bei XING meist schon eine Statusmeldung und man erhält innerhalb kürzester Zeit Antworten/Empfehlungen. Man muss sich im Grunde nur noch fragen, “wie gut kenne ich den Empfehlungsgeber und kann ich dessen Empfehlung vertrauen?” und schon hat man eine qualifizierte Empfehlung und kann sich Punkt 2 sparen.
Zu Punkt 2 wiederum gehört die Arbeit von Google, denn dort verdient man sein Geld damit, dass Personen das Internet zu einem bestimmten Suchwort durchsuchen. Und weil die Vorgehensweise von Punkt 1 ein qualitativ besseres Ergebnis liefert, die Umsetzung durch XING, Facebook & Co. aber zwischenzeitlich genauso schnell und einfach umsetzbar ist, wie die Suche über Google, bangt Google natürlich jetzt berechtigterweise um seine Marktanteile. Um diese bspw. gegenüber Facebook verteidigen zu können, soll das Suchergebnis eben durch die Berücksichtigung von Netzwerkempfehlungen qualifiziert werden.
Doch Google ist meiner Ansicht nach nicht das einzige Unternehmen, das sich aufgrund dieser neuen Empfehlungskultur anpassen sollten. Auch bspw. Handwerker leben sicherlich zu rund 80% von Empfehlungen. Diese kommen allerdings nicht nur aus dem eigenen Kundenkreis, sondern vor allem aus dem eigenen Handwerkernetzwerk. So empfiehlt der Fliesenleger den Bodenleger, der Dachdecker den Schreiner und der Maurer den Sanitärbetrieb.
Wenn allerdings in Zukunft die Bauherren nicht mehr den Handwerker fragen, ob dieser einen anderen Handwerker empfehlen kann – diese sich also lieber über soziale Medien durch das eigene Netzwerk Empfehlungen geben lassen – stellt diese Entwicklung auch Handwerksbetriebe vor neue Herausforderungen. Nur im Gegensatz zu Google scheint diese Notwendigkeit dort noch nicht erkannt worden zu sein: meinen Beobachtungen nach sind die allerwenigsten Handwerksbetriebe bisher überhaupt in sozialen Medien vertreten!

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